Heinersdorf im Zitat

Pankow ist ein bunt gemischter Bezirk: idyllische Siedlungen am Stadtrand, die bürgerlich und kleinstädtisch anmuten, trendiger Szenebezirk mit weltbekanntem Ruf und Plattenbausiedlungen am Medizinstandort. Alles ist hier vertreten und so lässt sich auch der große Preisunterschied beim Eigentumswohnungskauf erklären. Am unteren Ende der Preisstatistik findet man Objekte für etwas mehr als eintausend Euro, am oberen werden es locker mehr als zweitauend Euro pro Quadratmeter. Heinersdorf erlangte durch den Bau einer Moschee und den Protest dagegen traurige Berühmtheit. Und so findet man hier die günstigsten Wohnungen zum Kauf.

Andreas Böhm auf www.news.immobilienscout24.de, 2009

 

Eher für Pantoffelhelden ist Heinersdorf geeignet – das "Dorf des daheim Mächtigen".

"... was die Bezirksnamen Berlins wirklich bedeuten", erschienen im Berliner Kurier, 2008

 

Es gibt den Fluglärm, bei Ostwind von Tegel. Es gibt die Durchgangsstraßen, die Heinersdorf in drei Siedlungsteile zerschneiden. Trotzdem: Heinersdorf ist bequem, gewohnt, gemütlich – der warme Hausrock, nicht der Frack.

Barbara Kollmann in der Berliner Morgenpost, 2008

 

Es ist ein eigenartiger Mix, der seit der Wende in Pankow-Heinersdorf entstand. Schicke Villen stehen neben Baumärkten und Autowerkstätten. Fast-Food-Ketten bieten am Autobahnzubringer Burger und Hähnchen an.

Jens Rümmler in der Märkischen Allgemeine, 2007

 

Meine Vorliebe für die Erkundung der Stadt mit Hilfe öffentlicher Verkehrsmittel verdanke ich einer Unaufmerksamkeit beim Einsteigen in die Straßenbahn. Im Herbst 1983, frisch nach Ostberlin umgezogen, stieg ich an der Haltestelle Kupfergraben hinter der Humboldt-Universität statt in die 70, die mich in die Schönhauser Allee bringen sollte, in die 71. Ich hatte keinen Stadtplan dabei und traute mich nicht, einen Ortskundigen zu fragen. Ich hätte die nächste Bahn in die Gegenrichtung nehmen können, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzugelangen, aber dann fuhr ich doch bis zur Endstelle in Heinersdorf. Ich war neugierig. Irgendwann machten die Gründerzeithäuser und Sozialsiedlungen der zwanziger und fünfziger Jahre ausgedehnten Kleingartenanlagen Platz. Ich fuhr an einem zerschossenen Wassertrum vorbei, die Bahn quälte sich durch eine Dorfstraße, bog an der Kirche nach links und hielt vor einem verwahrlosten Haus, dessen Putz vor nicht allzulanger Zeit in großen Fladen herabgefallen war. Hinter dem Torbogen erstreckte sich ein verlassener Hof, der Gartenzaun war mit Stacheldraht gesichert. Eine Haltestelle weiter war die Fahrt zu Ende. Es gab nichts, was mich hätte verweilen lassen, aber ich wußte nun, wie Heinersdorf aussah.

Annett Gröschner in "Hier beginnt die Zukunft, hier steigen wir aus", erschienen im Berlin Verlag 2002

 

Als der Wasserturm 1910 erbaut wurde, sollte er auch gleichzeitig als Rathausturm dienen. (Aus diesem Grund besaß er lange Jahre eine Turmuhr.) Durch den Ersten Weltkrieg wurde dieses Vorhaben jedoch vereitelt, das Rathaus wurde nie gebaut. Als Wasserturm konnte er auch nicht mehr verwendet werden, da sich das Verfahren zur Bereitstellung von Wasser inzwischen weiterentwickelt hatte.

Nebenan stand das Maschinenhaus. Auf dem vorgelagerten Hügel am Wasserturm stand früher eine Windmühle, die der Heinersdorfer Mühlenbäcker unterhielt, der das berühmte "Heinersdorfer Landbrot" herstellte. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schule am Wasserturm erbaut, und der Turm in diesen Schulneubau mit einbezogen. Er trug zu dieser Zeit noch eine kupferne Kuppel.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Turm eine Flakstellung eingerichtet. Nach dem Krieg kontrollierte die sowjetische Besatzungsmacht von hier aus den Flugverkehr von und nach Tegel. Der erste und zweite Stock wurde hingegen weiterhin von der Schule genutzt. Heute ist der Turm stark sanierungsbedürftig und nur notdürftig gesichert. Der Eingang wurde vermauert.

Der Wasserturm und seine Geschichte, http://www.kga-freiesland.de/chronik.htm